Sorry, your browser does not support inline SVG.

Über das Stück Jetzt ist die Mutter tot. Jahre vorher schon hatte Nawal aufgehört zu sprechen. Bei der Testamentseröffnung erhalten ihre Kinder, die Zwillinge Jeanne und Simon, den Auftrag, zwei verschlossene Briefe zu übergeben: einen an ihren tot geglaubten Vater, den anderen an einen Bruder, von dessen Existenz sie nichts wussten. Der letzte Wille schickt beide auf eine Reise durch die Zeit und eine traumatische Familiengeschichte.

Die Suche führt die Geschwister in die fremde Heimat ihrer Mutter. In Rückblenden entfaltet sich parallel Nawals abenteuerliche Geschichte: ihre große, unmögliche Jugendliebe, die erzwungene Trennung von ihrem Kind und die jahrzehntelange Suche nach ihm in einem vom Bürgerkrieg verwundeten Land. Wir begegnen ihr und ihrer Freundin Sawda als Jugendliche und später als Freiheitskämpferinnen. Die Handlung gipfelt in einer Tragödie von antikem Ausmaß – ein modernes Ödipus-Drama über Identitätssuche, Familiengeheimnisse und die unausweichliche Konfrontation mit der Vergangenheit.

Es ist eine Geschichte, die heute, gestern und morgen spielen könnte, erschreckend in ihrer Gegenwärtigkeit, packend in ihrer mythischen Wucht. Aber es ist auch eine Reise in Etappen zur Wahrheit. »›Verbrennungen‹ ist ein Stück über den Versuch, in einer unmenschlichen Situation seine Versprechen als Mensch zu halten«, sagt der Autor Wajdi Mouawad. Regisseur Bassam Ghazi ergänzt: »Theater kann ermutigen, das Schweigen zu brechen und die Kraft des Sprechens als Akt der Befreiung zu erleben.«

Wajdi Mouawad, 1968 im Libanon geboren, gehört zu den wichtigsten Stimmen des zeitgenössischen Theaters. Aufgewachsen im Exil in Kanada und Frankreich, verarbeitet er in seinen vielfach ausgezeichneten Stücken persönliche und kollektive Erfahrungen von Gewalt und Flucht. Seine Arbeiten, wie »Verbrennungen« (die Verfilmung wurde 2011 als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert), zeichnen sich durch sprachliche Intensität, psychologische Tiefe und politische Relevanz aus.

Bassam Ghazi, ebenfalls aus dem Libanon emigriert, ist es mit Produktionen wie »Dschinns«, »Solingen 1993« oder »Romeo und Julia« gelungen, historische und familiäre Traumata für das Publikum erfahrbar zu machen. Mit »Verbrennungen« bringt Ghazi ein Stück auf die Bühne, das die Macht des Schweigens und die Sehnsucht nach Versöhnung ins Zentrum stellt. Hinweis Inhalt Die Inszenierung thematisiert u.a. Gewalt, Krieg und Vergewaltigung.